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Konfirmation Als geschiedener Vater habe ich mich schnell daran gewöhnen müssen, zu Feier- und Festtagen der Zweite zu sein. Mein Sohn kommt eben erst am Ostermontag, zum Heiligabend sehe ich ihn nie und an seinem Geburtstag....Aber ich habe erkannt, daß das "wann" nicht so wichtig ist, sondern das "wie" ausschlaggebend ist. Nun aber steht für mich eine neue Art der Feste an : Die Konfirmationsfeier meines Sohnes. Ich habe es zum ersten Mal nicht mehr mit einer wiederkehrenden Party zu tun, sondern muß damit fertig werden, daß ich bei einer einmaligen Veranstaltung für meinen Sohn wieder nur der Zweite bin. Ich bin nervös, denn ich weiß nicht, wie ich diesen Tag begehen werde. Es steht fest, daß ich von meiner Ex-Frau nicht gerne gesehen sein werde. Und es steht fest, daß es eine Woche später eine Nachfeier bei mir und meinem Partner geben wird. Aber ich weiß auch eine Woche vor der "offiziellen" Feier nicht, ob ich in die Kirche gehen will. Ich habe ja die Nachfeier. Das ist dann meine Feier, an der ich meinen Sohn für mich habe. Ich muß nicht die frühere Verwandtschaft sehen, nicht frühere Freunde treffen. Und überhaupt : Mit Kirche und Co habe ich sowieso nichts am Hut. Vielleicht ist dort nicht mal genug Platz und ich komme garnicht hinein. Irgendwann beschließe ich dann doch, dorthin zu gehen. Und kaum tu ich es kund, bekomme ich Zustimmung von meinen Freunden und Freundinnen. Einstimmiger Tenor ist, daß ich es für den Sohn tun sollte und das es ein wichtiger Tag für ihn wäre, an dem der Vater nicht fehlen dürfe. Also spreche ich es mit ihm ab und erzähle auch freimütig, daß ich meine Reaktionen noch nicht einschätzen kann. Er soll sich nicht wundern, wenn sein Vater auf dem Absatz wieder kehrt macht. Meine Mutter informiere ich auch, denn mit ihr ist bereits abgestimmt, daß sie mitkommt, wenn ich denn fahre. So fahren wir zu dritt an einem Sonntagmorgen Richtung Kirche. Ich war einen Tag vorher noch beim Friseur, das brauchte ich. Ich fühlte mich gut und bestens gewappnet für eine Schlacht der Erinnerungen und Begegnungen mit der Vergangenheit. Ich würde mit meinem Partner an meiner Seite zeigen, wie glücklich ich jetzt bin. Die Anderen sollten ruhig sehen, was sie verstoßen hatten. Ich ließ mich nicht vertreiben, ich würde bei meinem Sohn sein, ich wäre auch an einem solchen Tag bei ihm. Ich fuhr auf den Parkplatz und ein unsichtbares Band legte sich langsam um meine Brust. Als ich aus dem Wagen ausstieg , bekam ich diesen typischen Tunnelblick...oder lag das an der strahlenden Sonne ? Keine Frage : Ich hatte Angst. Aber dann sah ich meinen Sohn. Er stand mit seinen Mitkonfirmanden vor der Kirche und hatte mich bereits erspäht. Mein Blick in die Runde beruhigte mich, denn seine Mutter war nicht da. Wir begrüßten uns und konnten in Ruhe ein paar Worte wechseln. Dann gingen wir in die riesige Kirche, in der wir noch einen guten Platz ergattern konnten. Ich machte ein paar bekannte Gesichter aus, die nun aber keine Gefahr mehr darstellten. Komischerweise war nun alles gut, da ich meinen Sohn gesehen hatte...und er mich. Nach dem Gottesdienst beschlossen wir, sofort nach Hause zu fahren und meinen Sohn nicht mehr zu treffen. Ich wollte keinen unnötigen Kontakt zu den Anderen und mein Sohn hatte mich ja nun gesehen. Das nächste Wochenende würde uns gehören. Meine Mutter ging vor und an der Gruppe um meinen Sohn dicht vorbei. Ich, hinter ihr, wollte es ihr gleichtun, aber mein Sohn hatte mich gesehen und kam auf mich zu. Seine Mutter versuchte ihn noch abzulenken, wollte ihn von mir weglotsen. Aber er sagte etwas wie "Ja,ja, nun laß mich mal" und kam zielgerichtet auf mich zu. Er war auf einmal erwachsen und ich war das Kind. Er war voller Selbstbewußtsein, sagte, er ließe es sich nicht nehmen auch seine Oma noch einmal zu sehen. Ich beglückwünschte ihn, sagte kurz ein paar Worte und ging schnell wieder weg. Mein Partner kam nach mir dran, aber ich sah nichts mehr, holte meine Mutter ein und schickte sie noch einmal zurück. Ich wollte nur noch weg. Hätte ich nicht so einen wundervollen Partner, hätte ich diesen Tag wahrscheinlich garnicht überstanden. So aber kam er zu mir, gab mir Kraft und wir konnten ruhigen Schrittes gehen. Erst Tage später erkannte ich den Wert dieses Tages. Mein Sohn hatte mir durch sein Verhalten einen Platz in seinem Leben gereicht. Ich hätte garnicht so schnell gehen müssen, sondern hätte die Zeit mit ihm genießen können. Zum ersten Mal hat er mir Kraft gegeben und den eindeutigen Hinweis, daß ich zu seinem Leben dazu gehöre und daß er mich dabei haben möchte. Mich und meine Familie, denn es ist ja auch seine Familie. Immer wieder hatte ich vor diesem Erlebnis Angst, daß ich auch der Zweite sein werde, wenn mein Sohn selber entscheiden kann, wen er bei sich haben möchte zu Geburtstag, Hochzeit und ähnlichem. Jetzt weiß ich, daß er ... sich als mein Sohn fühlt und ich somit zu seinem Leben gehöre. Ich und mein Leben bin kein Parallel-Universum, sondern wir sind eine Schnittmenge. 14 Jahre alt ist mein Sohn und ich bin echt stolz auf ihn. Eine Woche später war es dann soweit : Nach der Pflicht kam die Kür. Ich hatte mir bereits Wochen vor der Feier bei uns viele Gedanken über den Ablauf gemacht. Eigentlich wollte ich keine Standardfeier, wollte kein ununterbrochenes Essen, Trinken und Sitzen. Außerdem würde der Kirchgang sowieso fehlen oder sollten wir am Sonntag zum Gottesdienst gehen ? Nein, wir haben viele Verwandte aus Süddeutschland und würden am Samstag feiern. Wenn wir schon die Möglichkeit hatten, etwas angenehmer zu gestalten, so sollten wir es auch umsetzen. Also kam im Laufe der Woche nach und nach die Familie zusammen, um am Samstag gegen Mittag die Feier zu beginnen. Anders zu anderen Feiern war ich sehr gelassen, verfolgte kein strenges Protokoll und genoss die Athmosphäre. Alle hatten ihren Spaß, wir amüsierten uns prächtig und mein Sohn fühlte sich sehr wohl. Er hatte ein ständiges Grinsen im Gesicht und war sichtlich mit diesem Tagesablauf einverstanden. Es wurde dann doch eine Standardfeier, die aber sehr kurzweilig war und ehe man sich versah, war es Nacht und langsam trennten wir uns. Mein Sohn kam einmal zu mir, umarmte mich und sagte glücklich „Danke“. Also hatte ich doch alles richtig gemacht. Warum nur hatte ich mir vorher so viele Gedanken gemacht ? |