Seit knapp einem Jahr lebte ich nun schon getrennt. Meine Frau und meine beiden Söhne blieben im Haus und ich zog in eine kleine Wohnung. Von der Vätergruppe im Rat und Tat hatte ich schon mehrfach gelesen. Treffen immer am 1. Dienstag im Monat - aber irgendwie hatte ich ja auch nie Zeit, gerade am 1. Dienstag... Um ehrlich zu sein, war es wohl mehr die Ungewissheit darüber, was mich dort erwartet. Andererseits hatte ich mir schon mehrfach vorgenommen, die Gruppe in Bremen zu besuchen, aber...

Am 1. Dienstag im Dezember rief ich dann nachmittags im Rat und Tat an. Der war sehr nett zu mir am Telefon und meinte, dass ich einfach so um 20.00 Uhr in die Gruppe gehen könne. Der Weg war also frei, es brauchte kein Vorgespräch zu geben. Auch auf der Arbeit kam ich gut voran, konnte pünktlich Feierabend machen - keine Überstunden - kein Grund, um nicht in die Gruppe zu gehen. Was blieb mir also übrig? Um 10 vor 8 war ich schon dort, fast geschafft. Im Café (und da sollte ich durch!) standen mindestens 10 Männer. Da bin ich vorbei gelaufen. Mal in die eine Richtung, dann wieder in die andere. Als ich dann nur noch einen Mann hinter dem Tresen sah (die anderen waren inzwischen verschwunden) bin ich dann doch rein. Eigentlich wollte ich mit kräftiger Stimme nach der Vätergruppe fragen, aber das war dann doch eher dünn, was dort raus kam.

Die Treppen sollte ich rauf gehen bis ganz nach oben. Ich bin ja bestimmt kein Fan vom Treppen steigen (und jeder, der mich kennt, wird das bestätigen), aber an diesem Abend wünschte ich mir, dass die Stufen niemals enden sollten. Aber der Wunsch wurde nicht erfüllt und oben angekommen, sah ich mindestens 14 weitere Männer - das konnte doch nicht die Vätergruppe sein!? Ich glaubte zu dieser Zeit nämlich noch fest daran, dass es lediglich 2 - 3 schwule Väter in Bremen gäbe. Weit gefehlt! Wolfgang begrüßte mich und freute sich sogar noch, dass ich da sei und die anderen lächelten freundschaftlich herüber und nickten aufmunternd. Nun saß ich mit am Tisch. Ich war ziemlich aufgeregt und dann ging es schon los. So eine Art kleine Vorstellungsrunde. Es war mir freigestellt was zu sagen. Aber ich wollte was sagen, deswegen war ich hier und ich hatte ja auch was zu sagen! So viele schwule Väter, Ehemänner und Freunde. Hätte ich nie gedacht.

Die "Geschichten" der Männer waren vielseitig und doch so verschieden, aber wir alle hatten was gemeinsam: eine (Ex-)Frau und / oder Kinder, Trennung oder auch nicht, Coming out und und und... Das wirklich Angenehme war, dass mich dort keiner belehren wollte. Jeder einzelne erzählte von seinen Erfahrungen und Wegen (die ja meistens nicht direkt waren) und jeder "Neue" bestimmt für sich seinen eigenen Weg und sein individuelles Tempo. So sehr viel habe ich am ersten Abend noch gar nicht von mir erzählt, aber da kamen interessierte Fragen und Denkanstöße und ich hatte das Gefühl , dass DIE HIER verstehen, wovon ich spreche. Als wir nach den zwei Stunden unten im Café zusammen saßen, hatte ich gar nicht das Gefühl, der "Neue" zu sein. Eigentlich war ich nur einer von uns allen, und endlich hatte ich festgestellt, dass ich nicht der einzige schwule Vater auf der Welt bin. Irgendwie angekommen bei Gleichgesinnten und das verbindet...
Ein tolles Gefühl!