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Meine CSD-Gedanken Noch eine Stunde bis zum Start des Umzugs. Wir hatten bereits mit einer kleinen Gruppe gemeinsam gefrühstückt und nun standen wir am Anfang des Umzuges und warteten. Schnell wurden wir jetzt mehr und mehr schwule Väter, Ehemänner und Freunde. Und schnell wurde jetzt der Sekt geöffnet und angestoßen. Die Laune war gut, denn zur Zeit hatten wir Glück mit dem Wetter und genossen die Sonnenstrahlen.
Es ging los und ich verteilte die Flyer unserer Gruppe. Fünf Männer bekamen einen Stapel, zusammen mit einem Becher Bonbons für die Kinder. Wenn man jetzt noch einen Becher Sekt halten mußte, wurde es eng ! Wir reihten uns hinter einem bereits im Vorfeld ausgesuchten LKW ein. Hier war die Musik gut und schnell wippten wir im Rhythmus derer und genossen die Menschenmenge und das Gruppengefühl.
Ich fing sofort an die Informationszettel von uns zu verteilen. Nur keine Scheu aufkommen lassen und mutig zu den Männern gehen. Erst bekamen die Kinder eine Süßigkeit, dann wurde den Männern der Zettel in die Hand gedrückt. Ich habe mich schon oft gefragt, ob es vielleicht danach kritische Fragen von der Ehefrau geben würde...
Oh ! Ich verteile zu schnell. Wir sind noch nicht mal in der Fußgängerzone angekommen und mein Vorrat an Flyern wird merklich weniger. Ich muß mir die Leute besser aussuchen, denen ich was gebe. Darf nicht so ziellos verteilen. Na, dann trinke ich mal einen Sekt und gehe wieder in der Gruppe. Immer noch kommen Freunde aus der Gruppe zu uns gestoßen, wir werden immer mehr. Und am Strassenrand sehe ich auch immer wieder Freunde, die grüßen und winken. Ich gehe aus der Umzugsmenge heraus, begrüße sie kurz, fühle mich wohl, leicht beschwingt und von der Musik und der Sonne getragen.
Endlich sind wir in der Fußgängerzone angelangt und nun wird es enger, voller. Hier darf ich wieder verteilen, achte aber jetzt darauf, wem ich etwas gebe. Beim nächsten Mal brauchen wir mehr, mehr Flyer und mehr Bonbons. Und immer wieder nette Kontakte zu den Menschen. Da kommt ein "Endlich bekommen meine Kinder mal was, die haben schon so lange gewartet"; oder ein "Daumen-hoch-Zeichen" einer Ehefrau, als ich den Flyer ihrem Mann in die Hose stecke, weil dieser keine Hand mehr frei hat; oder dieser Dialog : Ich gebe dem ersten Kind einen Bonbon, der Vater sagt "Und was sagt man ?" zum Kind. Ich gebe dem zweiten Kind einen Bonbon, der Vater sagt wiederum "Und was sagt man ?" zum Kind. Ich gebe dem Vater den Flyer und frage den sprachlosen Mann "Und was sagt man ?"
Endlich ! Endlich sehe ich meine gute Freundin. Sie schaut immer in die Menge und sieht mich nicht, dabei mache ich ständig faxen, um aufzufallen. Ja, jetzt hat sie mich entdeckt, wir umarmen und herzen uns. Ich gebe ihr die versprochenen Bonbons, den Flyer und natürlich auch einen Becher Sekt. Nun bin ich beruhigt und kann mich wieder der Menge widmen. Ein Wegbegleiter spricht mich an und wir unterhalten uns ein wenig. Aber ich merke, daß ich nicht so bei der Sache bin, denn ich muß ja auch auf die Menschen am Straßenrand achten. Ich will ja keinen Vater verpassen. Und hier merke ich, daß der CSD in Oldenburg eben etwas anderes ist, als die vielen anderen CSDīs. Hier ist unser eigener Umzug und hier haben wir auch eine gewisse Verantwortung. Hier wollen wir uns präsentieren und allen Menschen zeigen, daß wir nett sind, daß wir nicht anders sind, und daß wir doch anders sind. Lieben und geliebt werden. Akzeptieren und akzeptiert werden.
Nachdem wir kurz aus der Fußgängerzone raus waren, kommen wir wieder hinein. Es wird wieder enger und die Menschen am Rand sehen uns zu. Ich bemerke, wie nicht mehr ich sie ansehe, auf sie zugehe, ihnen zulächle. Nein, jetzt schauen sie mich an. Ich fühle mich allein, angestarrt, wie im Zoo. Wo ist Stephan ? Ja, Geborgenheit. Mit Stephan an meiner Seite schaffe ich es. Wir müssen noch so viel tun, damit wir nicht mehr angestarrt werden. Wir müssen noch viele Bonbons verteilen.
Endlich kommen wir am Zielpunkt an. Es wieder ein schöner CSD. Wir lösen uns auf und ich gehe rechtzeitig vor dem großen Regenschauer mit meinem Liebsten zum Bahnhof. Glück gehabt !
Vielen Dank an alle Bannerträger, Bonbonverteiler, Flyerüberbringer, Sektausschenker, Kinderwagenschieber...eben an alle fleißigen Helfer, ohne die unsere Gruppe sich nicht so toll präsentieren hätte können. Danke an Euch !
Olaf
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