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Kohl- und Pinkelfahrt der schwulen Vätergruppe Bremen am 20.01.2007 Teebeutelweitwurf, Sackhüpfen und andere alberne Spielchen waren bei unserer diesjährigen Kohlfahrt der schwulen Vätergruppe Bremen nicht angesagt. Ebenso gab es keine Wanderungen durch Wald, Feld und grünen Auen mit Schnapswägelchen. Nein, es war wohl eine etwas andere Art einer Kohl- und Pinkelfahrt: Wir machten eine Stadtführung durch Bremen Eine Stadtführung? Würde wohl so mancher Außenstehende fragen: Das ist doch eher etwas für einen Städtetrip im Urlaub. Aber nein. Denn wir hatten uns eine ganz Besondere ausgesucht. Nämlich eine Führung durch Bremen auf den Spuren schwulen Lebens zur Zeit des damals noch geltenden Paragraph 175 StGB (1871-1994). Wir trafen uns am Dom und ließen uns erstmal den kalten Wind um die Nase wehen bis alle da waren. Dann zogen wir mit 24 netten Kerlen und Bernd Thiede vom Rat & Tat als Stadtführer los. Nach unserer 1. Station (Dom – was hat die Kirche mit Homosexualität zu tun?) war der Marktplatz mit Bürgerschaft (schwule Politiker und Gesetze) und den Rathausarkaden (hier drehte auf seiner Orgel in den 20er Jahren ein Orgelspieler das „Lila Lied“) die Nächste. Dann gingen wir durch die Langenstraße. Dort gab es ein Ballhaus, wo Mann sich traf. Anschließend verweilten wir vor Karstadt. Das Kaufhaus Karstadt ist eine der ersten Firmen, die gleichgeschlechtliche Partnerschaften in Bezug auf die Altersversorgung anerkennen. Der Weg führt uns weiter Richtung Wallanlagen (Cruising) zum Bahnhof am Philosophenweg vorbei. Hier gab es mal eine Kneipe, wo Mann sich ebenfalls traf. Hier wohnten auch Personen, von denen bekannt war, dass sie die mannmännliche Liebe (welch toller Begriff) bevorzugten. Anschließen verweilten wir auf dem Bahnhofsvorplatz, wo sich ein Kiosk befand, in dem unter dem Ladentisch eine einschlägige Zeitschrift verkauft wurde. Über den Breitenweg Richtung Schleifmühle kamen wir an einer Baulücke vorbei. Dort stand ein Haus, in dem sich eine Interessengemeinschaft schwul-lesbischen Lebens befand, die man als Vorläufer vom Rat & Tat sehen kann. Sie befand sich später im Hochhaus Löningstr./Breitenweg. Weiter ging es Richtung Musicaltheater, vormals Zentralbad, wo wir von Bernd Thiede noch erregende Anekdoten aus dem Schwimmbadleben vorgetragen bekamen, was einige (mehr wohl die Älteren) bestätigen konnten. In der Nähe stand unser Auto und es gab erstmal heißen Kaffee, Tee und Gebäck. Mit Alkohol haben wir uns wegen der Autofahrer im Wesentlichen zurückgehalten. Dann ging es durch die Wallanlagen Richtung Steintorwache (heute ein Museum). Dort befand sich in den dreißiger Jahren bis vor einigen Jahren noch ein Gefängnis. Hier war der Jurist Karl Heinrich Ulrichs (Vorkämpfer für die rechtliche Gleichstellung von Schwulen und Lesben) 1867 inhaftiert, nach dem der heutige Ulrichsplatz benannt ist. Dort endete die Führung und wir begaben uns in Richtung Kost-Bar in der Hamburger Straße, wo Thomas (der Wirt) uns erwartete und ein köstliches Kohl- und Pinkelessen servierte. Wie aus vertrauenswürdigen Quellen zu erfahren war, gingen die letzten Gäste um halb drei. Es war sicherlich eine etwas außergewöhnliche Kohltour. Wir haben jedoch viel Interessantes gehört und hatten einen netten Abend. Für diejenigen, die Tanz und Trallala vermisst haben sollten, kann es beim nächsten Mal ja wieder anders laufen. Werner & Ralf Übrigens, das hätten wir ja fast vergessen: Kohlkönig des Abends wurde Ludwig. (üblicherweise richtet der Kohlkönig das nächste Fest aus) Wir kommen auch nach Emden - kein Weg ist uns zu weit. |